Kopi Luwak

Stichworte:
Fragen, die sich mir stellen, wenn ich einen Kaffee in den Händen halte, der über 800.– das Kilogramm kostet.

  • Artgerechte Haltung
  • Katzenkaffee
  • Freilebende Fleckenmusangs
  • "Scheisskaffee"
  • Gesundheit der Tiere
  • Kaffee Industrie/Mafia
  • Geschmack
  • Sensorik
  • Unterschied


Kopi Luwak ist eben der Kaffee (Kopi), der duch die natürliche Verdauung des Fleckenmusangs (Luwak) fermentiert wird. Natürlich und freilebende Musangs sind sehr wählerisch und absolute Feinschmecker. Sie fressen nämlich nur die guten und reifen Kaffee-Kirschen. Das "Abgehns" dieser Katze gleicht einem frischen Nussriegel. Ich will nicht befügen dieser Stengel sieht lecker aus und trotzdem sieht er, im besten Fall, fein und gesund aus. Selbstverständlich will niemand diese frisch ausgeschiedenen Kirsch-Kernen in seinem Kaffee. Da folgt ein intensiver und wiederkehrenden Reinigungs-Prozess bis hin zur langsamen und schonenden Röstung.

Durch diese einzigartige Fermentation (Gärung) wird der Kern der Kaffee-Kirsche schonend und lange vorbereitet und natürlich gegärt. Die Katze kann die Kernen nicht verdauen, nur das Fruchtfleisch, dieser Prozess dauert ca 2 - 3h. Danach scheidet die Katze die Kernen aus, zusammen mit einem honigartigen Schleim. Dieser verklebt die Kernen so, dass sie, wie an einem Stengel zusammenhalten.

Klar es ist nicht bequem, dem Kot eines Wildtieres nachzustellen und doch macht es den Unterschied, ob die Katze im Käfig gefüttert wird und auch gleich dort das kleine und das grosse Geschäft verrichtet. Gefütterte Tiere bekommen Kirschen in den Napf, die der Tierhalter für die Tiere pflückt. Damit sind wohl Früchte dabei, die sich die Luwak-Katze selber nie herauspicken würde. Die Schleichkatze holt sich nämlich nur die besonders roten und besonders reifen Kirschen und das macht den Unterschied im gerösteten Kaffee und schlussendlich in der Tasse.  

Was macht denn diesen Kaffee so teuer?
Die Musings (Luwaks) leben nur in Südostasien. Unser Kaffeebauer kann pro Monat ca. 20kg Bohnen aufsammeln. Das ergibt 240kg Kopi Luwak pro Jahr. Diese noch unbearbeiteten Kerne, bzw Kot, findet er unter den Kaffee-Sträuchern seiner Farm, dort leben nämlich ganz natürlich die Luwaks, ohne Zaun ohne Käfige ohne Handfütterung. Und nun kommt's, von Hand gesammelt, verlesen und sortiert, so arbeitet der Bauer in Sumatra, der was auf Qualität hat und nicht auf Menge. Bei den Arbeitsvorstellungen in unserer modernen Zivilisation würde ich gerne wissen, ob das jemand von uns machen wollte und wieviel dann der Kaffee kosten würde. Wir wollen ihn ja eigentlich nur kaufen und geniessen manchmal auch dekadent und schlicht, einfach nur "haben", die Drecksarbeit soll dann jemand anders machen.


Geschmack und Genuss
Es ist interessant, wie die Kaffeewelt auf diese Spezialität reagiert.
Als ich in einem Barista Kurs das erste Mal davon hörte, wurde mir erklärt, es sei gar nichts Spezielles nur das Marketing rund um diesen Kaffee, mache den Preis aus. Und sowieso, die Luwaks werden ja vorallem in Käfigen gehalten und somit industriell produziert, was den Preis niemals rechtfertige.
Lange habe ich das nachgeplappert, ja sogar geglaubt, bis Marcel Himmerich von Malua zum ersten Mal bei bir Kopi Luwak hinstellte. Fälschlicherweise habe ich die Bohnen so gemahlen, dass ich sie in der Espresso Maschine extrahieren konnte. Dies gab dem Kaffee keinen besondern Kick. Ganz im Gegenteil, er schmeckt zwar anders aber überhaupt nicht spannend und interessant.
Beim nächsten Versuch bemühten wir die Chemex (Filter). Etwas gröber gemahlen und unter ständiger Beobachtung brühten wir diese Exklusivität zum wahren Gedicht und Genuss. Weich und Rund, ausbalancierte Frucht, ein Hauch von Zwetschge, dunkle schokoladige Schmeicheleien um die Zunge und ein langanhaltender Abgang durch den Gaumen und in die Geschmacksrezeptoren des Rachens.


«Glauben Sie mir: Mit etwas "Gewusst-wie" macht ein Kaffee-Geniesser, dieses Getränk zur Krönung des Tages. Dabei spielen Mahlgrad, Wasserhärte, Wassertemperatur, Tassen-Temperatur, Zeit und Leidenschaft eine genauso wichtige Rolle, wie die Vorarbeit von der Katze bis zur gerösteten und gemahlenen Bohne.»