Wintermärchen in Colmar

An einem dieser Dezembertage, die sich anfühlen, als hätte jemand Zimt in die Luft gemischt, führte uns unser Weg direkt ins Märchen: auf den Weihnachtsmarkt von Colmar. Kerzen, Handgemachtes, Glühweinromantik und Amety– alles wie aus einem Bilderbuch über Weihnachten. 

Nun ist es aber so: Ein Barista braucht nach einer gewissen Fahrdauer einen anständigen Caffè. Punkt. Allerdings ist das ein schwieriges Unterfangen, weil er aus berufsbedingten und dezenten Nasenrümpfens ohnehin jedem misstraut, der „Kaffee“ sagt aber eigentlich Filter meint. Die Caffè-Handmaschine war diesmal nicht im Gepäck, also entschieden wir uns pragmatisch für ein Parkhaus in der Nähe eines Cafés. Ein kleines Käffelchen, das den Anforderungen wenigstens einigermaßen entsprechen sollte.

Tja. Offenbar liefen wir daran vorbei – und landeten stattdessen in einem anderen Bistrot nähmlich im Amety.café

Schon beim Eintreten war klar: Hier geht es nicht um schnelle Abfertigung und maximale Tischrotation. Hier regieren Leidenschaft, Herzlichkeit und ein angenehm volles Lokal. Ich schnappte mir blitzschnell einen der wenigen freien Plätze – husch, husch. Julia steuerte die Theke an.

Ich beobachtete die Szene und wusste sofort: Dieser großgewachsene, bärtige Mann hinter der Theke ist etwas Besonderes. Sein Umgang mit den Gästen – aufmerksam, herzlich, präsent – war schlicht vorbildlich. Die Caffès, die serviert wurden, trugen den Stempel von Herzblut und echtem Anspruch. Backwaren, Avocado-Toasts, Suppe – alles hausgemacht. Alles ehrlich.

Irgendwann kamen Muammar und ich ins Gespräch. Und es machte Klick. So viel Leidenschaft für Qualität, so viel Liebe zum Detail und eine Gastfreundschaft, die nicht gelernt wirkt, sondern gelebt wird, vereint in einer Person.

Doch, doch, es gibt sie noch. Diese Gastwirte, bei denen das Wort Gast mehr bedeutet als Umsatz und Münze. Und eigentlich braucht es so wenig. Klar, Stimmungen schwanken. Aber schon 50 % dieser Bewirtungs-Leidenschaft würden manch einem hervorragend zu Gesichte stehen.

Und dann sind da noch die Mitarbeitenden. Ein kurzer Blick genügte, um zu sehen: Muammars Haltung geht nicht spurlos an ihnen vorbei. Freundlichkeit ist hier keine Pflichtübung, sondern Teil der Atmosphäre. Ach ja – der Karottenkuchen war übrigens auch sehr fein.

Nach unserer ersten Runde über den Weihnachtsmarkt zog es uns noch einmal zurück ins Amety.café. Zufall oder Schicksal: Muammar setzte sich neben uns und genoss seinen Lunch. Selbstverständlich erinnerte er sich an uns, und wir waren sofort wieder im Gespräch. Ein weitgereister, sprachbegabter Mensch mit einer spürbaren Liebe zu Menschen.

Kurz darauf gesellte sich eine freundliche Marokkanerin dazu – und ruckzuck öffneten sich Horizonte, Geschichten und Lachen. Unglaublich, wie viel Nähe und Austausch entstehen können, mit einem Minimum an Interesse und Freundlichkeit.

Merci, Muammar.
Das war eine kleine Lehrstunde in Menschlichkeit, Gastfreundschaft und Haltung.
Und ganz sicher war das nicht mein letzter Besuch im Amety in Colmar. Übrigns der Name Amety ist eine Zusammensetzung eines Namens und ein Memrandum an Papa Ylmaz es heisst nämlich Amet Ylmaz / Amety – wie süss ist das denn.

Kaffee Catering mit Caffe Julia
Kaffee Catering mit Caffe Julia